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Kanalkamera-Untersuchung richtig planen: Ablauf, Vorbereitung und Auswertung

Von Andreas

Eine Kamerabefahrung im Kanal liefert klare Bilder statt Vermutungen: Sie zeigt Schäden, Ablagerungen und Fehlanschlüsse, ohne Wände oder Böden zu öffnen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wann die Untersuchung sinnvoll ist, wie Sie den Termin vorbereiten und wie Sie die Ergebnisse in konkrete Maßnahmen für Reinigung, Reparatur oder Sanierung übersetzen.

1) Wann eine Kanal-Kamerauntersuchung wirklich weiterhilft

Viele Probleme im Abwassersystem lassen sich von außen kaum beurteilen. Eine professionelle Kanalinspektion mit Kamera bringt Transparenz, wenn Symptome wiederkehren oder ein Objekt übernommen wird. Besonders hilfreich ist sie, wenn Sie Entscheidungen zu Wartung, Kanalreinigung oder einer möglichen Rohrsanierung fundiert treffen möchten.

Typische Anlässe sind:

  • • Wiederkehrende Verstopfungen trotz Reinigung von Siphon oder Hausleitung
  • • Gurgelnde Geräusche, langsamer Ablauf, wechselnde Geruchsbelastung
  • • Feuchte Stellen im Keller, Verdacht auf Undichtigkeiten oder Rückstau
  • • Kauf/Übergabe einer Immobilie (Zustand der Grundleitung dokumentieren)
  • • Nach Bauarbeiten im Außenbereich (Setzungen, Fremdkörper, beschädigte Leitungen)

Für viele Eigentümer ist die entscheidende Frage: „Lohnt sich erst eine Kamera oder sofort eine Maßnahme?“ In der Praxis spart die Kamera häufig Zeit und Kosten, weil sie unnötige Eingriffe vermeidet und den passenden Schritt vorbereitet: gezielte Reinigung, punktuelle Reparatur oder ein Sanierungsverfahren ohne Aufgraben.

2) Vorbereitung vor Ort: So schaffen Sie klare Bedingungen

Damit die Aufnahmen aussagekräftig sind, braucht es Zugang, Licht, eine möglichst freie Leitung und sichere Arbeitsbedingungen. Ein guter Rohr- und Kanalservice stimmt die Details zwar mit Ihnen ab, dennoch können Sie mit wenigen Handgriffen die Durchführung deutlich erleichtern.

Zugangspunkte, Pläne und wichtige Informationen

Idealerweise liegen Revisionsöffnungen, Schächte oder Reinigungsöffnungen frei zugänglich. Falls Sie Unterlagen haben (Entwässerungsplan, Lageplan, frühere Protokolle), helfen diese beim Auffinden von Leitungswegen, Abzweigen und Übergängen.

  • • Revisionsschacht/Öffnung freiräumen (Gartenmöbel, Regale, Abdeckungen)
  • • Vorhandene Pläne, Bauunterlagen oder Fotos bereitlegen
  • • Symptome notieren (wann tritt es auf, welche Abläufe sind betroffen)

Reinigung vorab: ja oder nein?

Wenn die Leitung stark verschlammt oder durch Fett/Seifenreste zugesetzt ist, sind Details auf der Kamera schwer erkennbar. Häufig wird daher zuerst eine Spülung mit Hochdruck durchgeführt und anschließend befahren. In anderen Fällen kann eine Vorinspektion sinnvoll sein, um die Art der Ablagerung zu beurteilen und die passende Reinigungsmethode festzulegen.

Sinnvoll ist eine kurze Abstimmung vorab:

  • • Handelt es sich eher um Fett/Schlamm (Reinigung vorab oft hilfreich)?
  • • Besteht Verdacht auf Schäden, bei denen aggressive Maßnahmen riskant wären?
  • • Gibt es Rückstauereignisse (Zeitpunkt, Wetterlage, Regenwasserführung)?

3) Ablauf der Untersuchung: Von der Einfahrt bis zur Dokumentation

Im Kern geht es darum, den Leitungsverlauf systematisch zu erfassen und Auffälligkeiten eindeutig zuzuordnen. Moderne Systeme liefern nicht nur Video, sondern auch Längenangaben, Neigung, Positionen und Fotos zur späteren Auswertung.

Schritt-für-Schritt: Was vor Ort passiert

  • • Startpunkt festlegen (z. B. Revisionsöffnung im Haus, Schacht im Außenbereich)
  • • Kamera einführen und Leitungsabschnitte systematisch abfahren
  • • Auffälligkeiten markieren (Entfernung in Metern, Richtung, Abzweige)
  • • Stillbilder/Clips sichern, Befundtexte ergänzen
  • • Abschluss: kurze Vor-Ort-Einordnung und Empfehlung für die nächsten Schritte

Wichtig: Eine sorgfältige Befahrung ist mehr als „einmal durchfahren“. Entscheidend sind saubere Referenzen (Startpunkt, Meterzählung), eine nachvollziehbare Reihenfolge der Leitungsstränge und eine Dokumentation, die auch Wochen später noch verständlich ist.

Welche Kamerasysteme zum Einsatz kommen

Je nach Rohrdurchmesser, Material und Verlauf werden Schubkameras (für Hausleitungen) oder Fahrwagen-Systeme (für größere Kanäle) genutzt. In verwinkelten Bereichen kommen flexible Kameraköpfe zum Einsatz, um Abzweige und Übergänge (z. B. vom Hausanschluss in die Grundleitung) präzise zu prüfen.

Für die spätere Planung von Reparaturen ist besonders wertvoll, wenn zusätzlich erfasst wird:

  • • Rohrdimension und Material (z. B. KG, Guss, Steinzeug)
  • • Lage von Bögen, Muffen, Abzweigen und Übergängen
  • • Ausmaß von Versätzen, Rissen oder Korrosion

4) Ergebnisse nutzen: Befund, Handlungsempfehlungen und nächste Schritte

Die eigentliche Wertschöpfung entsteht nach der Befahrung: Aus Bildern werden Entscheidungen. Ein gutes Protokoll hilft Ihnen, Angebote zu vergleichen und Maßnahmen zu priorisieren. Für Eigentümer zählt dabei nicht nur „Schaden ja/nein“, sondern auch Dringlichkeit, Ursache und Folgerisiko (z. B. Rückstau, Wasserschäden, Unterspülung).

Häufige Befunde – und was sie praktisch bedeuten

  • • Ablagerungen/Fett: oft durch Reinigung lösbar; Ursache (Nutzung, Gefälle, Belüftung) prüfen
  • • Wurzeleinwuchs: kurzfristig fräsen/reinigen möglich, langfristig Dichtheit wiederherstellen
  • • Risse/Brüche: je nach Lage punktuelle Reparatur oder Sanierung (z. B. Inliner-Verfahren)
  • • Rohrversatz/Setzung: Risiko für wiederkehrende Verstopfungen; häufig bauliche Ursache
  • • Fehlanschlüsse (z. B. Regenwasser falsch eingeleitet): kann technische und rechtliche Folgen haben

Von der Diagnose zur Lösung: so priorisieren Sie richtig

Nicht jeder Befund ist ein Notfall. Priorisieren Sie nach Wirkung und Risiko: Was verhindert Rückstau? Was schützt die Bausubstanz? Was reduziert Wartungskosten? Oft ist eine Kombination sinnvoll, etwa erst Reinigung (damit Schäden vollständig sichtbar werden), dann eine gezielte Reparatur oder eine Sanierung einzelner Abschnitte.

Diese Fragen helfen Ihnen bei der Entscheidungsfindung:

  • • Ist das Problem akut (Wasser steht, Rückstaugefahr) oder schleichend?
  • • Handelt es sich um ein lokales Problem oder betrifft es mehrere Leitungsstränge?
  • • Welche Maßnahme ist am wenigsten invasiv und trotzdem dauerhaft?
  • • Gibt es Anforderungen an Dichtheitsprüfung oder Nachweise für Versicherung/Verwaltung?

Wenn Sie die Erkenntnisse direkt in eine Lösung überführen möchten, ist es sinnvoll, Befahrung, Dokumentation und Maßnahmenplanung aus einer Hand zu koordinieren. So lassen sich zum Beispiel Reinigung, punktuelle Reparatur und bei Bedarf eine grabenlose Kanalsanierung besser aufeinander abstimmen.

Kurzfazit

Eine Kanal-Kamerauntersuchung schafft Klarheit über Zustand, Ursache und Handlungsbedarf. Mit guter Vorbereitung, sauberer Dokumentation und einer priorisierten Maßnahmenliste wird aus dem Video ein konkreter Plan. Wenn Sie möchten, lassen Sie sich im Anschluss zu passenden Optionen wie Reinigung, Reparatur oder Sanierung beraten, damit das System wieder zuverlässig und dicht arbeitet.

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